Ein Nachfolger für die Smarte Stadt

Smart City

«Smart City» war zehn Jahre lang das Lieblingswort urbaner Strategen. Jetzt ist der Begriff in die Jahre gekommen. Was kommt als nächstes?

Das Konzept «Smart City» hat einen zehnjährigen Siegeszug hinter sich, diverse Städte schrieben es sich auf die Fahne. Das Erfolgsrezept hatte drei Elemente: Erstens hat der Begriff die sonst so technischen Digitalthemen vereinfacht und zugänglich gemacht. Er wurde sozusagen zur Benutzeroberfläche für die Digitalisierung. Zweitens war er politisch so unscharf, dass sich ganz unterschiedliche Agenden darauf einigen konnten. Smart City konnte für mehr Datensammlung und mehr Überwachung stehen – oder auch für nachhaltigere Digitalisierung und stärkere Mitwirkung. Drittens war Smart City wirksames Marketinginstrument, um die eigene Stadt als technologiefreundlichen Standort zu positionieren.

Heute ist der Begriff etwas in die Jahre gekommen und die Frage stellt sich, was als nächstes kommt. Wir möchten drei Vorschläge zur Debatte stellen, die allesamt vor dem Hintergrund zunehmender Bedeutung von KI zu verstehen sind.

Wie gemeinsame Ziele Silos durchbrechen können.

Die grossen urbanen Herausforderungen – von Energiewende bis Wohnungsnot – lassen sich nicht in einzelnen Ressorts lösen. Doch genau dort scheitern viele Projekte: Die Verkehrsplanung kennt die Sozialdaten nicht, die Umweltbehörde redet nicht mit der Wirtschaftsförderung, und die Digitalisierungsstrategie wird im stillen Kämmerlein entworfen.

Das Problem liegt oftmals daran, wie Ziele gesetzt werden und ob deren Erreichung überprüft wird, wie dieser Substack-Beitrag zeigt. Gemeinsame und transparent kommunizierte Ziele, wie sie z. B. die Stadt Zürich mit ihren Strategien 2040 zeigt, könnten helfen, Herausforderungen von Städten umfassend anzugehen.

Allerdings helfen Ziele nur dann, wenn sie auch im Alltag angegangen werden. Ressourcen (z.B. Daten, aber auch Expert*innen) müssen über Abteilungen hinweg geteilt werden, die Zielerreichung muss ehrlich gemessen werden und es braucht den persönlichen Austausch zwischen Abteilungen. Die politische Führung muss das mit den richtigen Anreizen, gutem Hiring und passenden Organisationsformen sicherstellen. Sonst bleibt es dabei, dass Abteilungen vor allem die eigenen Budgets maximieren.

Die Nutzer*innen im Zentrum sparen Ressourcen

Städte werden oft für Menschen geplant, selten mit ihnen. Das Ergebnis sind Strassen, die nur Autofahrer*innen im Blick haben, digitale Services, die ältere Menschen ausschliessen, oder Plätze, die auf dem Reissbrett entstehen und im Alltag leer bleiben. Eine nutzerzentrierte Stadt dreht diesen Prozess um. Sie fragt nicht: Was ist technisch möglich?, sondern: Was brauchen die Menschen wirklich?

Das bedeutet, Nutzerforschung zum Standard zu machen – nicht als einmalige Umfrage, sondern als kontinuierlichen Dialog. Wie erlebt eine alleinerziehende Mutter den öffentlichen Nahverkehr? Wo stossen Menschen mit Behinderungen auf Barrieren? Wie können digitale Services so gestaltet werden, dass sie niemand zurücklassen?

Nutzerforschung hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren breit etabliert, insbesondere im digitalen Raum. Bei der Stadt Zürich ist sie mittlerweile fest etabliert, Service Designerinnen unterstützen aktiv bei der Ausgestaltung von Dienstleistungen. Nur leider haben viele Führungspersonen in der öffentlichen Verwaltung davon noch immer nicht gehört oder denken, das liesse sich mit dem Bauchgefühl erfahrener Mitarbeiterinnen lösen. Diverse Artikel erklären, warum die Nutzer*innen so zentral sind und was passiert, wenn man sie ignoriert. Spoiler: man verschenkt viel Steuergeld.

Handlungsfähigkeit in unsicheren Zeiten

Städte sind geopolitische Zwerge. Sie haben kaum Einfluss auf globale Tech-Konzerne, nationale Gesetze oder internationale Handelsströme. Und doch sind sie es, die die Folgen dieser Kräfte direkt spüren: sei es durch Gentrifizierung, Arbeitsplatzverluste durch KI oder die Abhängigkeit von externen Cloud-Anbietern.

Die Antwort darauf sollte sein, die Anpassungsfähigkeit der Stadt zu erhöhen. Dazu gehört einerseits die Arbeit mit Szenarien, um verschiedene Zukünfte zu antizipieren. Noch zu oft geschieht dies mittels klassischer Analysen, welche bei Beratungsunternehmen in Auftrag gegeben werden. Stattdessen könnten dank Szenariotechniken im Rahmen von Workshops praktisch relevantere Erkenntnisse in kürzerer Zeit gewonnen werden, wie Rückmeldungen auf unsere entsprechenden Weiterbildungen zeigen.

Andererseits sollten Antworten auf mögliche Entwicklungen durch Experimente schneller getestet werden. Auch hier geht es darum, möglichst rasch in die praktische Anwendung zu kommen und konkrete Erfahrungen zu gewinnen. Noch immer fallen solche Experimente der Mehrheit der Verwaltungen aber sehr schwer, wie unsere staatsUmfrage zeigen konnte.

Bei beiden Techniken ist es zentral, dass sie nicht als einmalige «Unterhaltung» von Führungskräften oder Mitarbeitenden konzipiert sind, sondern als Teil der standardisierten Herangehensweise der Stadt. Sie eignen sich auch nur bedingt für die Öffentlichkeitsarbeit oder das Standortmarketing, da bei Ansätzen ganz gezielt Schwächen gesucht und unfertige Lösungen getestet werden.

Vom Label zur Haltung

Seit der Begriff der Smart City in den 2010er Jahren aufgekommen ist, ist die Welt eine andere geworden. Der Druck für Städte, sich neuen Umständen rasch anzupassen, ist viel grösser geworden, während die Budgets deutlich knapper sind.

Die oben beschriebenen zeitgenössischen Lösungsansätze haben weniger Marketingzwecke und Labels spielen eine kleinere Rolle. Deswegen nennen wir sie auch nicht «Aligned City», «Designed City» oder «Resilient City».

Smart City erhält also keinen Nachfolger. Denn heute steht für Städte im Vordergrund, dass Probleme pragmatisch, parallel und zeitnah angegangen werden. Dabei müssen vor allem die Kosten unter Kontrolle bleiben.

Das staatslabor

Das staatslabor unterstützt Städte und Organisationen mit grossem Veränderungsdruck, die aktiv handeln wollen. Wir begleiten diese Prozesse mit Know-How aus diversen Mandaten. Unsere Expertise liegt insbesondere in Kommunikation, Organisationsentwicklung und Zukunftsforschung. Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme und besprechen gerne geeignete Formate für Ihre Zukunftsfragen.